Industrie Ein Europäisches Kulturgut – Eine Veranstaltung des Italienvereins Dortmund e.V. am 05.05.2018

im Rahmen der Europawoche
(Bericht von Annette Neidull, Fotos: Lucrezia Zanardi)

Der Veranstaltungsort des Dortmunder Depots, ein stillgelegtes Straßenbahndepot, das nunmehr als Kulturzentrum fungiert, versinnbildlichte das Thema: Dort diskutierten Vertreter von deutschen und italienischen Museen über das Thema „Industrie Ein europäisches Kulturgut“. Dabei beleuchteten die Industriehistorikerin und freiberufliche Kuratorin des Museo Birra Perroni Rom, Daniela Brignone, und der Wissenschaftliche Mitarbeiter beim LWL-Museum Textilwerk Bocholt, Martin Schmidt, vor allem den Trend der Entstehung von Unternehmensmuseen sowie die Frage, wie Industrie zur Industriekultur wird, kritisch. Unterhaltsamer und lockerer („Können wir direkt zum Du übergehen?“) Moderator war Michael Nowak, Journalist von Radio Energy Bremen. Als Übersetzerinnen fungierten Isabella Amaduzzi und Andrea Wisotzki, beide Italienverein Dortmund e.V.

Die vom Italienverein Dortmund e.V.  ins Leben gerufene halbtägige Veranstaltung, die am Samstag, den 05.05.18 stattfand, war ein interessantes, lebhaftes Event, das Fachzuhörer sowie interessierte Bürger und Mitglieder des Vereins – vor allem Italiener und Deutsche – begeisterte.  Gefördert wurde sie im Rahmen der Europawoche vom Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales des Landes Nordrhein-Westfalen.

Dass Unternehmensmuseen, zwar zuletzt zahlreich entstanden, jedoch keineswegs ein vollständig neues Phänomen, wurde gleich durch ein Statement von Nowak aufgedeckt, der bekundete, als Zehnjähriger das Schokoladenmuseum Köln der Firma Stollwerk besucht zu haben, während Teilnehmer aktuellere Unternehmensmuseen, wie z.B. die Dr. Oetker-Welt in Bielefeld oder das Heineken Museum in Amsterdam besucht hatten.

Doch was unterscheidet echte Unternehmensmuseen von bloßen Werbe- und erweiterten Verkaufswelten? Die Associazione MuseImpresa, eine Vereinigung von derzeit 73 Unternehmensmuseen in Italien, – so berichtete Brignone – hat fünf Kriterien herausgearbeitet: ein Museum und damit die Voraussetzung zur Mitgliedschaft liegt vor, wenn: 1. Eine institutionelle Grundlage gegeben ist, z.B. ein Verein und 2. dieser auf Basis eines schriftlichen Dokuments, in dem Motiv und Zweck niedergelegt sind, operiert, 3. Qualifiziertes Personal (z.B. Kuratoren) 4. eine Sammlung betreuen, die 5. ständig aktualisiert wird.  Eine Definition, die Schmidt weitgehend teilte, der z.B. bloße Produktionsschauen, wie z.B. im Alpgoldmuseum, in dem die Nudelproduktion durch die Besucher beobachtet wird, nicht zu den Museen zählt. Nur wenn Zwecke verfolgt würden, die über ein bloße Marketingstrategie und Verkaufsförderung hinausgingen, könne man von einem Unternehmensmuseum sprechen. Dies kann die Museumspädagogik sein, z.B. die Erklärung von technischen Sachverhalten, wie in der VW-Welt in Wolfsburg oder bei Piaggio in Umbrien, oder Ausbildungszwecke, wie sie bspw. seit langer Zeit durch das DB-Museum in Nürnberg oder das Post-und Kommunikationsmuseum in Berlin verfolgt werden.

Ein Museum soll dazu anregen, weiterzudenken
Davon zu unterscheiden sind Industriemuseen, wie z.B. Zeche Zollern in Dortmund-Bövinghausen, Zeche Zollverein in Essen oder die Henrichshütte in Hattingen, die eben nicht durch Unternehmen betrieben werden, sondern allein schon aufgrund des Kostenaspekts, den die Aufrechterhaltung alter Industrieanlagen mit sich bringt, nur durch öffentliche Einrichtungen, wie die Landschaftsverbände, betrieben werden können. Wichtig ist – und darin waren sich Brignone und Schmidt einig -, dass ein Museum – unabhängig davon, ob die Trägerschaft nun öffentlich ist, oder bei einem privaten Träger liegt, dazu anregen sollte, weiterzudenken, Perspektiven zu verändern und Denkmuster aufzubrechen.

Nach knapp zwei Stunden lebhafter Diskussion konnte die Vorsitzende des Italienvereins Dortmund e.V., Irene Gallerani, zufrieden und erfüllt, den abschließenden Programmpunkt aufrufen: eine Besichtigung des Depots in italienischer und deutscher Sprache. Dieser beinhaltete auch die Besichtigung des Bunkers, der eigens für die Veranstaltung geöffnet wurde.

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